KBA spricht von „Unzulässigkeiten“ – und kündigt Rückrufe an

Veröffentlicht am 
4.9.2021
Wohnmobil

Der Wohnmobil Diesel-Skandal bekommt überraschend neue Impulse aus dem Kraftfahrt-Bundesamt. In einem Schreiben von Mai 2021 nahm die Behörde gegenüber der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Stellung zum Vorwurf der illegalen Abgasmanipulation in Wohnmobilen mit Fiat Ducato Motor und kündigte sogar Rückrufe an.

Deutsche Umwelthilfe stellt massiv erhöhte Abgaswerte fest

Nach langem Schweigen hat sich das Kraftfahrt-Bundesamt im Mai 2021 erstmals schriftlich zum Diesel-Skandal bei Fiat Ducato Wohnmobilen geäußert. Dem vorausgegangen waren Schreiben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vom Januar und April 2021, worin die DUH das KBA von eigenen Abgasmessungen bei Fiat Ducato Wohnmobilen in Kenntnis setzt. Im Rahmen dieser eigenen Abgasmessungen hatte die DUH festgestellt, dass die getesteten Fahrzeuge mit Euro 5 und Euro 6 Norm im Fahrbetrieb auf der Straße die gesetzlichenAbgaswerte um teilweise mehr als das Zwanzigfache überschreiten und dass insbesondere viel zu viele Stickoxide in die Umwelt emittiert werden. Einhergegangen mit dieser Benachrichtigung war die Aufforderung, "die Hersteller in die Pflicht zu nehmen, Sanktionen und geeignete Maßnahmen zu erlassen sowie die Typenzulassung der untersuchten Fahrzeugmodelle zu überprüfen."

Kraftfahrt-Bundesamt äußert sich erstmals - und sorgt für Paukenschlag

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat auf diese Schreiben der Deutschen Umwelthilfe reagiert - und damit für weiteren Sprengstoff im Wohnmobil Diesel-Skandal gesorgt. So heißt es in dem Schreiben wörtlich: „Zu den Erkenntnissen bei den Wohnmobilen kann ich Ihnen vorab mitteilen, dass auch in eigenen Untersuchungen durch das Kraftfahrt-Bundesamt bei einigen Wohnmobilen hohe Stickoxidemissionen aufgrund von Unzulässigkeiten festgestellt wurden.“ Was hier in verklausulierter Sprache steht, bedeutet nichts anderes, als dass das Kraftfahrt-Bundesamt nicht nur über die massiv erhöhten Abgaswerte informiert ist, sondern auch, dass es illegale Manipulationen ("Unzulässigkeiten") als deren Ursache sieht. Darüber hinaus hat ein weiterer Satz im Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamts aufhorchen lassen. Er lautet: „Da bisher […] keine Maßnahmen eingeleitet wurden, werden unsererseits bereits Schritte geprüft, damit die Unzulässigkeiten in den betroffenen Fahrzeugen entfernt werden“. Wenn das KBA also von der Entfernung dieser „Unzulässigkeiten“ spricht, dann meint es damit nichts anderes, als dass nun relativ zeitnah Rückrufe und Nachrüstungen für die betroffenen Fahrzeuge anstehen, in dessen Rahmen die illegalen Abschalteinrichtungen entfernt werden sollen.

Zeitpunkt und Umfang der Rückrufe noch unklar

Derzeit ist allerdings noch nicht klar, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang die Rückrufe erfolgen werden, also ob es sich um ein bloßes Software-Update oder sogar um eine Hardware-Nachrüstung handeln wird. Ebenso ist nicht abzusehen, ob die Nachrüstungen negative Folgen für die oftmals sehr teuren Fahrzeuge haben werden. Im Zusammenhang mit dem Daimler und Volkswagen Diesel-Skandal berichten Kunden und Sachverständige von erhöhtem Kraftstoffverbrauch, verstopftem Dieselpartikelfilter, geringerer Leistung, klopfenden Motorgeräuschen, verkürzter Lebensdauer und Motorschäden. Diese Folgen wären auch bei Fiat Ducato Motoren nicht überraschend: denn wenn ein bloßes Update ausreichen würde, um den Schadstoffausstoß bei gleich Leistung gesetzeskonform zu halten, dann hätte man ja gar nicht erst manipulieren müssen.

Verbrauchern wird empfohlen zu handeln

Für Eigentümer von Fiat Ducato Wohnmobilen bedeutet dieses Schreiben des KBA zunächst einmal zweierlei: erstens können sie jetzt gewiss sein, dass Rückrufe und Nachrüstungen – mit all ihren potentiellen negativen Folgen – in absehbarer Zeit auf sie zukommen werden; zweitens wissen sie spätestens jetzt, dass es eigentlich keinerlei Zweifel mehr an der Illegalität der Abgasmanipulationen bei Fiat gibt - und sich die Aussichten für erfolgreiche Schadensersatzklagen weiter verbessert haben. Rechtsanwalt Jannis Staudt hat viele Jahre Erfahrung im Diesel-Skandal und rät Verbrauchern dazu, sich zu den Möglichkeiten beraten zu lassen. „Dieses Statement des Kraftfahrt-Bundesamts ist natürlicher starker Tobak, denn wenn schon eine deutsche Behörde vom Vorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen spricht, wird Fiat die größte Mühe haben das Gegenteil zu beweisen. Verbraucher sollten definitiv mit einem Experten sprechen und sich kostenlos und unverbindlich zu ihrer Betroffenheit und ihren Möglichkeiten beraten lassen", so der erfahrene Jurist.

ts

Wer wir sind

Ihre Ansprechpartner

Mit unserer jahrelangen Erfahrung und unserem engagierten Team von Anwälten sind wir der starke Partner an der Seite unserer Mandanten. Wir sorgen dafür, dass Sie internationalen Großkonzernen auf Augenhöhe begegnen. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.