Wo ist eigentlich der Schaden?

Veröffentlicht am 
20.8.2021
Wohnmobil

Etwa 200.000 Wohnmobile auf Fiat Ducato Basis sollen illegale Abschalteinrichtungen enthalten und deren Eigentümer zum Schadensersatz berechtigen. Hier stellt sich betroffenen Verbrauchern immer wieder die Frage, wo hier eigentlich der Schaden liegt – schließlich scheint ja mit den Fahrzeugen auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein.

Illegale Abschalteinrichtungen lösen Klagewelle aus

Die in den Ducato Motoren enthalten Abschalteinrichtungen, werden vom Kraftfahrt-Bundesamt, dem Bundesverkehrsministerium und der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main als illegal eingestuft. Und mithilfe dieser Abschalteinrichtungen hat sich Fiat die Typgenehmigung für seine Fahrzeuge erschlichen, weil diese nur auf dem Prüfstand im Labor, nicht aber im Realbetrieb auf der Straße die gültigen Abgasnormen einhielten. Auf den Fahrzeugen stand also Euro 5 oder Euro 6 drauf, in Wahrheit war, bzw. ist aber Euro 0 drin. Tausende getäuschter Eigentümer von Wohnmobilen mit Ducato Motor haben daher eine Schadensersatzklage gegen Fiat erhoben und täglich werden es mehr. Dies wirft natürlich auch die Frage auf, wo hier eigentlich der Schaden liegt. Schließlich fahren die Autos ja meistens tadellos.

Diesel-Manipulationen haben massive Folgen für Mensch und Natur

Ganz offensichtlich ist, dass durch die illegalen Abgasmanipulationen der Umwelt ein massiver Schaden entstanden ist. Durch die Manipulationen sind nämlich viel mehr Abgase und vor allem giftige Stickoxide in die Umwelt gelangt, als eigentlich erlaubt gewesen wäre. Dieser Mehrausstoß an Stickoxiden hatte und hat dramatische Folgen für die menschliche Gesundheit und die Natur. In einem früheren Artikel haben wir diese Folgen bereits umfangreich erläutert. Im Volkswagen Diesel-Skandal hat diese massive Umweltverschmutzung und Gesundheitsschädigung in Deutschland und Europa aber überhaupt keine Rolle gespielt. Vielmehr wurden die massiven Folgen von Politik und Wirtschaft kleingeredet und für politische Grabenkämpfe instrumentalisiert – was die gesamte Missachtung für eine gute Atemluft und intakte Natur zum Ausdruck bringt. Es ist wohl leider davon auszugehen, dass dieselbe Ignoranz und Folgenlosigkeit auch bei Fiat angewandt werden wird. In den Vereinigten Staaten beispielsweise, sind die Dinge ganz anders gehandhabt worden. Im Rahmen des Multi-Milliardenvergleichs zwischen Volkswagen und den US-Behörden wurde VW auch dazu verpflichtet, einen beachtlichen Teil der Vergleichssumme in Umweltprojekte und Elektromobilität zu investieren.

Kaufvertrag stellt ungewollte Verpflichtung dar

Weniger offensichtlich ist hier allerdings der Schaden, welcher den betroffenen Wohnmobil Eigentümern zivilrechtlich entstanden ist. Hätte der Käufer von den illegalen Abschalteinrichtungen und den ganzen damit einhergehenden Gefahren und negativen Folgen gewusst – hier ist die Rede von Stilllegungen, Fahrverboten und Wertminderungen – dann hätte er den Kaufvertrag mit dem Verkäufer, sei es ein Händler oder Privater, logischerweise nicht abgeschlossen. Der Käufer ist durch die illegalen und heimlichen Manipulationen also eine Verpflichtung eingegangen, welche er in Kenntnis der Manipulationen nicht eingegangen wäre. Mit anderen Worten hat er durch Betrug einen Vertrag an der Backe, welchen er eigentlich nicht wollte. Hier lässt sich in Anlehnung an einen vergangenen Lebensmittelskandal durchaus folgende Analogie ziehen: wer eine Lasagne kauft, auf welcher Rindfleisch draufsteht, in Wahrheit aber Pferdefleisch drin ist, hätte diesen Kauf bei Kenntnis der Tatsachen nicht getätigt. In diesen Fällen gibt der § 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) dem Käufer nun die Gelegenheit, sich dieses Vertrags und der daraus folgenden Verpflichtung, wieder zu entledigen. Voraussetzung dafür ist, dass der Hersteller objektiv sittenwidrig gehandelt hat, was nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) regelmäßig dann der Fall ist, wenn Fahrzeuge mit illegalen Abschalteinrichtungen auf den Markt gebracht werden.

Auch Nachrüstungen können schwerwiegende Folgen für das Auto haben

Darüber hinaus berichten Kunden und Sachverständige im Zusammenhang mit dem Volkswagen und Daimler Diesel-Skandal und den damit einhergehenden Software-Updates von möglichen schweren Folgen für Ihre Fahrzeuge, wie beispielsweise erhöhtem Kraftstoffverbrauch, geringerer Leistung, Verstopfen des Diesel-Partikelfilters, klopfenden Motorgeräuschen, verkürzter Lebensdauer und Motorschäden. Volkswagen und Daimler übernehmen übrigens keine Garantie für die Folgen des Updates – und es ist davon auszugehen, dass auch Fiat seine Kunden mit den negativen Folgender Nachrüstung alleine lässt.

ts

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