Welche Wohnmobile sind vom Dieselskandal betroffen?

Veröffentlicht am 
24.7.2021
Wohnmobil
Mehr als 200.000 Wohnmobile sollen betroffen sein

Das Kraftfahrt-Bundesamt, das Bundesverkehrsministerium und die Staatsanwaltschaft Frankfurt werfen Fiat vor, in seinen Ducato Motoren illegale Abschalteinrichtungen verwendet zu haben. Dadurch soll sich Fiat die Typgenehmigung für seine Fahrzeuge erschlichen haben, obwohl diese im tatsächlichen Betrieb auf der Straße den gesetzlichen Abgasgrenzwerten nicht entsprechen. Auf den Fahrzeugen steht also Euro 5 oder Euro 6 drauf - in Wahrheit ist aber Euro 0 drin. Aber welche Wohnmobile sind konkret betroffen? 

Die Betroffenheit hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und die Polizei Hessen gehen davon aus, dass Fahrzeuge aus der Produktion von Fiat und Iveco der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6 - Ausnahme: 6d (temp) - betroffen sind, die zwischen 2014 und 2019 hergestellt bzw. erstmalig zugelassen wurden.

Betroffen sind insbesondere folgende Diesel-Motoren:

1,3 l (Multijet); 1,6 l (Multijet); 2,0 l (Multijet); 2,2 l Multijet; 2,3 l (Multijet); 3,0 l Diesel.

Insbesondere die bei Wohnmobilen äußert verbreiteten 2,3-Liter und 3,0-Liter Multijet-Motoren (2.287 ccm und 2.999 ccm Hubraum) sind nach den Informationen der Ermittlungsbehörden und des Kraftfahrt-Bundesamts manipuliert. Konkret geht es insbesondere um Motoren der Typen 110 Multijet (Nummer F1AE3481G), 115 Multijet (Nummer 250A1000), 150 Multijet (Nummer F1AE3481D) und 180 Multijet (Nummer F1CE3481E).

Die Wohn- und Reisemobile folgender Hersteller nutzen Fiat Ducato und Iveco Basisfahrzeuge:

Adria, Arca, Autostar, Autotrail, Bavaria, Benimar, Bimobil, Bocklet, Bürstner, Campereve, Caravans International, Carado, Carthago, Challenger, Chausson, Concorde, Dethleffs, Dopfer, Elnagh, Eura Mobil, Fleurette, Font Vendome, Form IT, Forster, Frankia, Globecar, Hobby, Hymer, Itineo, Joint, Kabe, Karmann, Kerkamm, Knaus, La Strada, Laika, Le Voyageur, LMC, McLouis, Mobilvetta, Morelo, Niesmann & Bischoff, Notin, Phoenix, Pilote, PLA, Pössl, Protec, Rapido, Rimor, Roller Team, Sunlight, Sunliving, Swift, Tourne, Weinsberg, Westfalia, Wingamm, Woelcke (und Weitere).

Kraftfahrt-Bundesamt kündigt Rückrufe an

In einem Schreiben vom Mai 2021 an die Deutsche Umwelthilfe (DUH), hat das Kraftfahrt-Bundesamt Rückrufe und Nachrüstungen für die betroffenen Fahrzeuge angekündigt. Wann genau die Rückrufe erfolgen werden, ist allerdings noch nicht klar. Ebensowenig ist derzeit abzusehen, wie genau die Nachrüstungen aussehen werden, also ob es sich lediglich um ein Software-Update handelt oder ob sogar die Hardware nachgerüstet wird. Die Erfahrung aus dem Volkswagen und Daimler Diesel-Skandal zeigt allerdings, dass die Nachrüstungen schwere negative Folgen für die Fahrzeuge haben können. Kunden und Sachverständige berichten in dem Zusammenhang von erhöhtem Kraftstoffverbrauch, Verrußen des Diesel-Partikelfilters, geringerer Leistung, klopfenden Motorgeräuschen, verkürzter Lebensdauer und Motorschäden.

Beweislage gegen Fiat ist erdrückend

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe braut sich vor deutschen Gerichten eine Klagewelle gegen Fiat zusammen. Immer mehr Verbraucher ziehen vor Gericht und fordern Schadensersatz. Die Beweis- und Indizienlage gegen Fiat ist erdrückend: so ermittelt bereits seit Juli 2020 die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts des Betrugs gegen namentlich bekannte Personen und hat in diesem Zusammenhang bereits Geschäftsräume des Unternehmens durchsucht. Bereits im Jahr 2017 hat die US-Umweltbehörde in Fahrzeugen des Fiat Konzerns illegale Abschalteinrichtungen festgestellt und den Konzern zu einer Millionenzahlung verpflichtet. Darüber hinaus wurden getäuschte Kunden schnell und unbürokratisch mit einer Einmalzahlung entschädigt. Außerdem haben US-Behörden im April 2021 gegen drei führende Fiat-Manager Anklage wegen Verschwörung zum Betrug erhoben.

In Deutschland hat das Kraftfahrt-Bundesamt schon 2016 erhöhte Abgaswerte bei Fiat Ducato Motoren gemessen und das Bundesverkehrsministerium über seine Erkenntnisse informiert, wie vertrauliche und an die Öffentlichkeit gelangte Dokumente beweisen. Darin lässt das Kraftfahrt-Bundesamt auch keinen Zweifel daran, wie es diese erhöhten Abgaswerte interpretiert: nämlich als "unerlaubte Abschalteinrichtungen". In diesem Zusammenhang hat auch die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien eingeleitet, welches sich, wohl wegen politischer Klüngelei, aber seit geraumer Zeit im Stillstand befindet. Schließlich hat die Stellungnahme des Kraftfahrt-Bundesamts vom Mai 2021 einen weiteren schwerwiegenden und offiziellen Beweis für die illegalen Manipulationen bei Fiat ins Spiel gebracht. Und wenn eine deutsche Behörde vom Vorhandensein unzulässiger Abschalteinrichtungen spricht, wird Fiat die größte Mühe haben das Gegenteil zu beweisen.

Was Verbraucher über eine Klage erreichen können

Eigentümer von Fahrzeugen, welche eine illegale Abschalteinrichtung enthalten, können von Fiat und gegebenenfalls vom Händler Schadensersatz verlangen. Hier spielt es keine Rolle ob sie das Fahrzeug neu oder gebraucht gekauft haben. Im Wesentlichen haben sie über eine Klage zwei Möglichkeiten: sie können ihr Fahrzeug entweder zurückgeben und den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung wieder bekommen. Je nach gefahrenen Kilometern können Verbraucher so teilweise mehr als 90% des Kaufpreises zurückbekommen. Meistens haben Wohnmobil-Eigentümer aber viel Zeit, Geld und Herzblut in ihr Fahrzeug investiert und wollen sich entsprechend nur ungern von ihrem Womo trennen. Hier besteht die Möglichkeit, auf den sogenannten kleinen Schadensersatz zu zielen und circa 20% des Kaufpreises wiederzubekommen.

Der Ablauf einer Klage

Wer sich für eine Klage entscheidet, hat lediglich einmalig den Aufwand alle erforderlichen Dokumente zusammenzusuchen und an unsere Kanzlei zu übermitteln. Den Rest übernehmen wir für Sie. Wir stellen die Deckungsanfrage bei Ihrer Rechtsschutzversicherung, betreuen die gesamte gerichtliche und außergerichtliche Korrespondenz, vertreten Sie in der mündlichen Verhandlung und halten Sie über jeden unserer Schritte auf dem Laufenden. Sie müssen sich um keinerlei Briefverkehr kümmern oder

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Unser Team verfügt über jahrelange Erfahrung im Diesel-Skandal und hat eine tiefgreifende Expertise im Zivil- und Zivilprozessrecht. Wir legen hohen Wert auf den direkten Kontakt mit unseren Mandanten und bei Rückfragen stehen Ihnen unsere Experten persönlich zur Verfügung. Ebenso liegt uns eine ehrliche und transparente Beratung und Kommunikation unserer Mandanten am Herzen, weswegen wir reinen Wein einschenken und gegebenenfalls von einer Klage abraten.

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